Raus zum 8. März!

Der internationale Frauen*kampftag steht vor der Türe. Trotz und gerade wegen der Krise müssen wir uns als Frauen* organisieren und auf die Straße gehen. Trotz und gerade wegen der Krise, unter deren Last besonders wir Frauen* leiden.

Wir sehen uns auf der Straße! Montag, 8. März – 17:30 Uhr Alter Botanischer Garten

Weitere Termine beim Offenen Frauen*treffen Müchen

Frauen* in der Krise – Wir widersetzen uns! – Antikapitalistischer Aufruf 2021:

Frauen* kriegen die Krise (ab)
„Ich glaub ich krieg die Krise!“ Dieser Satz spricht wohl vielen Frauen* in diesen Tagen aus der Seele. Die aktuelle Corona-Krise verstärkt Strukturen, beziehungsweise legt diese in ihrem vollen Ausmaß offen, unter denen Frauen* seit Jahrtausenden leiden. Die aktuelle Krise lässt uns deutlich spüren, dass die patriarchalen Strukturen niemals weg waren. Diese Strukturen führen dazu, dass es wieder einmal die Frauen* sind, die die Krise abkriegen. Aber diese Entwicklung zeigt uns auch, dass uns nicht kleine Reförmchen zu einer gleichberechtigten Gesellschaft bringen werden, denn die sind „schwups“ wegrationalisiert. Sondern, dass wir Frauen* für eine grundlegend andere Gesellschaft kämpfen müssen! Ein kurzer, unvollständiger Abriss über den Wahnsinn, dem Frauen* in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind und gegen den es sich zu kämpfen lohnt:

Häusliche Gewalt/ Femizide: Alle 45 Minuten wird eine Frau* in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner verletzt oder angegriffen. Diese Zahl ist durch Corona und die häusliche Isolierung gestiegen. In 2020 sind mindestens 172 Frauen* in Deutschland Opfer von Femiziden geworden, ein Frauenmord jeden zweiten Tag. Gleichzeitig sind Frauenhäuser und Hilfestrukturen chronisch unterfinanziert und oft werden die Morde als Familiendramen abgetan.

Gender-Rollback: Durch Covid-19 wurde die öffentliche Versorgung, wie Kitas, Schule, Krankenpflege etc., wieder vermehrt ins Private verschoben. Frauen* haben diese Last voll abbekommen – Homeschooling/ Kinderbetreuung/ Pflege, all das wird in der Mehrzahl von Frauen* geschultert. Deutlich wird, dass vorher nur zum Schein mehr Gleichberechtigung da war. Die patriarchalen Strukturen waren nie fundamental anders, nur kaschiert, damit Frauen* nicht völlig am Rad drehen. Viel der Reproduktions- und Carearbeit war nicht gleichberechtigt verteilt, sondern einfach ausgelagert in die öffentliche Versorgung (und wurde dort von Frauen* gemacht). Frauen* erledigen sowie so schon 52% mehr Reproduktionsarbeit als Männer, das hat sich während Corona nochmal verschärft. Soziologin Jutta Allmendinger spricht davon, dass durch den Genderrollback in der Corona-Krise die Frauengleichberechtigung drei (!) Jahrzehnte zurück gesetzt wird und es nicht zu erwarten wäre, dass mit Ende der Pandemie diese Entwicklung wieder aufgehoben wird.

Emotionale Carearbeit und Kleinfamilie: Durch den Druck der Leistungsgesellschaft, Vereinsamung und speziell die Reduktion von sozialen Kontakten während Corona entsteht eine unglaubliche emotionale Bedürftigkeit, die in der Regel Frauen* auffangen. Sowohl für Kinder, als auch für Partnerinnen und Freundinnen sind sie die Zuhörerinnen, Kümmerinnen und Ansprechpartnerinnen, weil sie so sozialisiert sind! Verstärkt wird dies noch durch die ‚Corona-Kontakt-Gesetze‘, die sich nur an der bürgerlichen Kleinfamilie orientieren. Frauen sind der emotionale Kit unserer Gesellschaft (oder besser gesagt die emotionalen Müllschluckerinnen). Das ist schon lange so, in der Krise wird das aber nocheinmal spürbarer. Frauen tragen die Gesellschaft emotional durch die Krise und bezahlen dafür einen hohen Preis: Überforderung, Stress, Burnout, Teilzeitjobs und Altersarmut. Sich immer nur um andere kümmern zahlt eben nicht in die Rentenkasse ein.

Schlechterstellung auf dem Arbeitsmarkt: Auch auf dem Arbeitsmarkt läuft es für Frauen* ziemlich bescheiden. Neben schlechterer Bezahlung (Genderpaygap liegt in Deutschland bei 19% weniger Gehalt als Männer), arbeiten sie überdurchschnittlich oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder in schlechtergestellten ‚Frauen‘-Berufen. Fun Fact: 75% der allseits als systemrelevant gefeierten Berufe (Einzelhandel/ Nahrungsmittel/ Kindergarten/ Krankenhäuser/ Hort) werden von Frauen* ausgeführt und zeichnen sich zusätzlich dadurch aus, dass sie schlecht bezahlt werden.

Weniger Verdienst und häufige Teilzeitarbeitsverhältnisse (wegen Kindern, Familie oder Pflege) führen dazu, dass Armut und Altersarmut weibliche Phänomene sind. So haben Frauen* in Deutschland im Schnitt 60% weniger Rente als Männer. Diese Stellung auf dem Arbeitsmarkt führt oft, vor allem wenn Kinder mit im Spiel sind, zu einer ökonomischen Abhängigkeit von Männern, die z.B. das Gefangensein in Gewaltbeziehungen bedingen können.

Auch in diesem Bereich haut die Krise nochmal einen drauf: Denn die meisten Gelder in den Konjunktur- und Hilfspaketen kommen männerdominierten Branchen zu gute. Nur 4,25% gehen an Branchen, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten (Kulturbereich, Gastro, Bildung, Erziehung, Gesundheit). Auch die Tarifverhandlungen im Herbst im öffentlichen Dienst, in dem überdurchschnittlich viele Frauen* arbeiten, erzählen die gleiche Geschichte, denn sie sind wirklich richtig scheiße gelaufen! In Österreich sind 85% der durch Corona von Arbeitslosigkeit Betroffenen Frauen*.

Gesundheitswesen: Im durchschnittlichen deutschen Krankenhaus arbeiten 75% Frauen* und damit in einem Bereich, der gesellschaftlich zwar unbedingt notwendig ist, aber seit Jahrzehnten unterfinanziert und überlastet ist. Laut ver.di fehlten bereits 2019 80.000 Pflegekräfte und Berufe im Gesundheitswesen bergen das größte Burnout Potential. In der Corona-Krise arbeiten hier also vor allem Frauen* am totalen Limit. Zu wenig Arbeitskräfte, zu wenig Schutzausrüstung, Erhöhung der Arbeitszeit, hohes Ansteckungsrisiko und keine nennenswerte finanzielle Unterstützung oder Ausgleich dafür (Außer man ist so makaber und lässt Klatschen, Blumen oder Plätzchen zählen).

Abtreibung: Abtreibung ist auch im Jahre 2021 ein Wut-Thema der Frauen-Bewegung, weil sich einfach nichts verändert hat! Nicht dass es nicht schon reicht, dass Abtreibung in Deutschland immer noch illegal ist und nur der Strafvollzug unter gewissen Bedingungen ausgesetzt wird; es durch das ‚Werbeverbot‘ für Frauen schwierig ist, überhaupt an objektive Informationen zu kommen und eine Schwangerschaftskonfliktberatung zwingend notwendig ist. Oben drauf kommt noch, dass Abtreibungen durch Corona noch schwieriger geworden sind. Denn es war einer der ersten Bereiche, die als ’nicht-notwendige Eingriffe‘ nicht mehr ausgeführt wurden. So hoch sind Selbstbestimmungsrechte von Frauen* also in unserer Gesellschaft angesiedelt, gleich hinter dem schöhnheitschirugischen Eingriff und der Kieferchirugie!

Wir widersetzen uns!
Frauen* kriegen also diese Krise ab. Aber wenn wir ehrlich sind, kriegen Frauen* seit Jahrhunderten jede Krise ab. Und die grundlegendste dieser Krisen heißt wirtschaftliche Ausbeutung und patriarchale Unterdrückung – Immer und immer wieder werden wir darauf zurück geworfen!

Es ist Zeit sich diesem System zu widersetzen und es ein für alle mal abzuschaffen. Wir Frauen* haben jedes Recht wütend zu sein! Sie fragen uns, warum wir uns aufregen? Sie fragen uns, warum wir uns so aufführen? Sie fragen uns, warum wir permanent die Krise kriegen? – Weil das System scheiße ist und weil wir es verdammt nochmal richtig satt haben!

In diesem System werden wir keine Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Sicherheit erreichen. Wir müssen gemeinsam am internationalen Frauenkampftag auf die Straße gehen und für eine Gesellschaft kämpfen, in der wir Frauen selbstbestimmt und gleichberechtigt leben können. Nehmen wir uns die Frauen* in Lateinamerika, in Polen oder in Rojava als Vorbilder.

Schließt euch uns an. Organisieren wir gemeinsam den Frauen*kampf. Lasst uns für ein anderes System ohne patriarchale Unterdrückung und wirtschaftliche Ausbeutung kämpfen. Am 8. März und 365 Tage im Jahr. Gehen wir gemeinsam auf die Straße!

Denn die Krise steckt im System – Zusammen gegen das Patriarchat.

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