Kämpferischer 1. Mai in München trotz Ausnahmezustand!

Die 1. Mai Demo in München wurde heute auf der Straße durchgesetzt! Wir waren mehrere hundert Menschen, die sich morgens vor dem Gewerkschaftshaus versammelten, um am Kampftag der internationalen Arbeiter*innenbewegung auf die Straße zu gehen. Dort war eine Kundgebung erlaubt – die Demo durch die Stadt aber bis auf eine kleine Kunstaktion verboten, wegen des Corona-Ausnahmezustands. Deswegen ergriffen wir selbst die Initiative und liefen los – und haben die Demo durch praktisches Handeln durchgesetzt.

Natürlich mit Schutzabstand und Mund-Nasen-Schutz. Unser revolutionärer Block mit dem Frontranspi „Solidarisch kämpfen in der Krise – Revolutionärer 1. Mai“ war: groß, vielfältig, ausdrucksstark, kämpferisch, klassenkämpferisch, feministisch. Schaut einfach die Fotos an… Abschluss war eine Kundgebung auf dem Marienplatz. Zum Einzug läutete das Glockenspiel vom Rathausturm, perfektes Timing. Danke an alle Genoss*innen und Kolleg*innen, die heute mit uns auf der Straße waren. Zusammen mit weiteren revolutionären und kommunistischen Organisationen haben wir durch unsere Initiative gezeigt: wenn die DGB-Führung die 1. Mai-Veranstaltungen absagt, können wir sie trotzdem organisieren. Den 1. Mai, an dem alle unsere Kämpfe gegen Ausbeutung und Unterdrückung zusammen kommen, kann man nicht absagen. Wir haben heute deutlich gemacht: Wir zahlen nicht für diese Krise! Und es lohnt sich, die eigenen Aktionsformen nicht von staatlichen Verboten und Erlaubnissen abhängig zu machen.

Nach der offiziellen 1. Mai Demo führten ca. 50 Aktivist*innen noch eine Spontandemo im proletarischen Stadtteil Neuperlach durch. Die Demo lief ungestört durchs Viertel, mit jeder Menge rotem Rauch. Und unter Beifall und Zustimmung der Menschen, die dort leben und auch keinen Bock auf kapitalistische Ausbeutung haben. Gegenüber einer privaten Pflegeeinrichtung wurde die Parole “Gesundheit statt Profite” gesprüht. An einem Luxus-Neubau gab es dann einen großen Bannerdrop „Nach der Enteignung entsteht hier sozialer Wohnraum“. Schon in den Nächten vorher wurde das Viertel anscheinend mit revolutionären Parolen verschönert. Bullen kamen heute dann erst irgendwann mit großer Verspätung..
Derweil liefen Aktivist*innen noch im Ostpark bei einem Demospaziergang mit der Parole “Nicht auf unserem Rücken”.

Im Anschluss hatte noch die faschistische Organisation “III. Weg” eine Kundgebung in Pasing angekündigt. Es geht garnicht, dass Faschos an unserem Kampftag versuchen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Deshalb haben auch viele Menschen noch nach den Aktionen den Weg nach Pasing gefunden. Der traurige Haufen wurde in ihrem Gitterkäfig durchgängig von antifaschistischem Protest begleitet, so dass ihre Außenwirkung gleich null war. Als der III. Weg unter Polizeischutz zum Bahnhof begleitet werden sollte, stellten sich mehrere Hundert AntifaschistInnen dagegen und stressten mit Blockaden so lange, dass sich die Abreise um mehrere Stunden verzögerte, und die Faschos nur unter einen massiven Polizeiaufgebot geschützt schließlich abtransportiert werden konnten. Hoffentlich hat es ihnen fürs erste die Lust darauf verdorben, Kundgebungen abzuhalten. Leider haben es die Cops sich nicht nehmen lassen, im Nachgang einige Leute unter Vorwänden festzunehmen.

Alles in allem war der 1. Mai ein sehr erfolgreicher und aktionsreicher Tag. Wir haben gezeigt: Wir lassen uns nicht von diesem Staat vorschreiben, wie wir für unsere Rechte als Lohnabhängige, für unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen kämpfen und auf die Straße gehen dürfen. Während Firmenbesitzer*innen, die keine dringend notwendigen Güter produzieren, die Arbeiter*innen in ihren Betrieben weiter für ihre Profite schuften lassen dürfen. (Und keine Polizeikontrolle kommt vorbei, um zu überprüfen, ob genügend Infektionsschutz, genügend Abstände für die Beschäftigen da ist.) Während Geflüchtete zusammengepfercht in Lagern dem Virus ausgesetzt werden. Und während Kapital-Funktionäre und Staatsvertreter schon öffentlich darüber diskutieren, wieviele alte und kranke Menschen man durch das Virus sterben lassen dürfte, damit endlich wieder Produktion und Handel in Gang kommen. Genau jetzt müssen wir auf die Straße gehen und den menschenverachtenden Charakter des Kapitalismus angehen. Und zeigen, dass es auch anders geht: solidarisch, gemeinsam und verantwortungsbewusst. Eine andere Welt ist möglich!

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